Besucher

021899
Heute: 8
Gestern: 7
Diese Woche: 8
Letzte Woche: 52
Dieser Monat: 141
Letzter Monat: 242

Die Honigbiene stirbt. In Amerika und China ist es besonders schlimm. Dort gehen Imker und Bauern neue Wege.

Das mysteriöse Bienensterben geht weiter. Auch außerhalb Europas. Überall müssen die Imker kämpfen. Denn die Tiere leben rund um den Globus, in den Wüstenregionen genauso wie unter kühleren Bedingungen in Schweden oder Norwegen, ja sogar am Kap von Südafrika. 2.000 Arten insgesamt. Und sie sterben rund um den Globus.

Nordamerika trifft es besonders hart, seit Jahren wütet dort ein massenhaftes Bienensterben. Ganze Völker werden von der rätselhaften Krankheit „Colony Collapse Disorder“ – oder zu deutsch: Völkerkollaps – ausgelöscht. Die erwachsenen Bienen fehlen plötzlich im Stock. Sie sind ausgeschwärmt. Nicht um einen neuen Staat zu bilden. Sondern zum Sterben. 2007 und 2008 erwischte es in den USA ein Drittel aller Bienenvölker. Minimum.

Kampf der Imker 1

  • Kampf der Imker 2
Auf den riesigen Feldern mit Äpfel- und Birnenbäumen, Himbeeren, Erdbeeren, Mandeln, Pfirsichen und Sojabohnen fehlen sie. Und so tourt heute die Hälfte der zwei Millionen Völker ganzjährig durch die Vereinigten Staaten. In Kalifornien bestäuben die Tiere die 80 Millionen Mandelbäume. Die nussige Frucht gehört zu den Exportschlagern des Landes. Jedes Jahr im Februar bringen Imker aus allen Himmelsrichtungen ihre fleißigen Bienchen in schweren Trucks ins Central Valley. Vier Wochen lang sind diese hier im Einsatz. Zumindest jene, die den Winter überlebt haben. Denn manche Imker sprechen von Verlusten von bis zu 50 Prozent jährlich – die Varroamilbe macht die Völker einfach kaputt. Dann werden die Bienen wieder verladen, der Tross zieht weiter. Zu den Zitrusbäumen in Florida, danach zu den Apfel- und Kirschplantagen im Norden, später in den Osten, zu den Blaubeeren. Dauereinsatz für die summenden Arbeiterinnen.

In Fernost hat sich eine neue Berufssparte entwickelt: mobile Bienenverleiher. Die Chinesen stellen ihre Tiere auf Anfrage in fremden Obstgärten auf.

Zehn Prozent aller Bienenvölker sind in den letzten zehn Jahren verschwunden, schätzen Experten. In den vergangenen zwei Jahren waren die Verluste so groß, dass die Bauern fast nichts ernten konnten. In ihrer Verzweiflung bestäuben manche ihre Bäume inzwischen selbst von Hand. Über große Leitern steigen sie und ihre Arbeiter – Millionen sind es inzwischen – hinauf zu den Blüten, mit einem Pinsel oder Wattestäbchen tupfen sie getrockneten Pollen hinein. Ganze Plantagen werden so befruchtet. Künstliche Bestäubung nennt man das. Teuer ist die Handarbeit. Und mühselig.

Agraringenieure fahren durchs Land, schulen die Bauern im Auftrag des Agrarministeriums. Sie zeigen ihnen die richtige Technik und erklären, wann der Zeitpunkt für die Bestäubung gekommen ist. Denn Timing ist alles.

In Teilen Chinas gibt es keine Bienen mehr

In manchen Landstrichen Chinas leben überhaupt keine Bienen mehr. Der immense Einsatz von Pestiziden in den 80er-Jahren hat sie dort wohl gänzlich vertrieben. Aber auch elektromagnetische Wellen von Handymasten und genmanipulierte Pflanzen dürften zum Bienensterben weltweit beitragen. Angeblich machen diese Einflüsse die Bienen anfälliger für Schädlinge.

Manche EU-Länder haben inzwischen bis zu 40 Prozent ihrer Bienenvölker verloren. Die Chinesen sind bisher die einzigen, die nach einer Alternative für die natürliche Bestäubung suchen. Selbst wenn die Arbeit nicht nur beschwerlich ist, sondern auch teuer. Experten schätzen, dass es bis zu 310 Milliarden Euro im Jahr kosten würde, müssten Obst und Gemüse, Gewürze und Nüsse weltweit von Menschen befruchtet werden. Das Bienensterben indes lässt sich dadurch längst nicht wettmachen.

Quelle magazin-forum.de